PPPHealth4All – Öffentlich-private Partnerschaften als Säulen der globalen Gesundheit

02. Juni 2020 I  News  I Von : Geschäftsstelle

„Wissen Sie, wie viel eins plus eins ist?“ fragt Natalia Korchakova-Heeb das Publikum bei der Preisverleihung des Ideenwettbewerbs „Neue Ideen für globale Gesundheit“. Ihr Projekt zum Aufbau einer Multi-Stakeholder Plattform für Öffentlich-Private-Partnerschaften im Sektor Globale Gesundheit wird an diesem Abend am 13. Januar  2020 in Berlin vom Global Health Hub Germany und Gesundheitsminister Jens Spahn geehrt. „Sie würden wahrscheinlich zweiantworten und die Arithmetik gäbe Ihnen recht“, fährt die Ingenieurin und Nachhaltigkeitsexpertin fort. „Wenn wir von Partnerschaften sprechen, lautet die Antwort jedoch anders: Partnerschaften resultieren in einem gemeinschaftlichen Mehrwert, der zu einem geteilten Vorteil werden kann. Eins plus eins macht dann nicht zwei. Manchmal ist es drei, manchmal vier und manchmal fünf.“ Diese Hebelwirkung ist der Schlüssel, so die These hinter dem Projekt, um die Herausforderungen zu bewältigen, vor denen Gesundheitssysteme überall auf der Welt stehen.

Ihr Teamkollege, der tansanische Arzt und Forscher Dr. Omary Chillo, macht die Rechnung dazu auf: Mehr als 400 Millionen Menschen haben wenig oder keinen Zugang zu adäquater Gesundheitsversorgung. „Das“, so Chillo, „führt zu einer Diskrepanz der Lebenserwartungen von bis zu 31 Jahren zwischen den am wenigsten entwickelten Ländern und zum Beispiel einem asiatischen Staat wie Japan. Fünf Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen von schlechter Gesundheitsversorgung und mehr als 90% von ihnen kommen aus Entwicklungsländern.“ In den vergangen Monaten hat die Covid-19 Pandemie allerdings gezeigt, welche Schwächen auch die die Gesundheitssysteme der wirtschaftsstarken G20 Staaten haben. Und die Entwicklungsländer wurden von COVID-19 besonders hart getroffen.. Ein dringender Handlungsbedarf ist seitdem allgemein anerkannt.

 

Ein dezentrales Ökosystem für den nachhaltigen Einsatz öffentlich-privater Partnerschaften

PPPHealth4All will mit dem Projekt einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung leisten. Das Team arbeitet am Aufbau einer digitalen Plattform, die öffentliche Akteure, internationale Organisationen, den Privatsektor, sowie Betroffene und Interessengruppen aus der Zivilgesellschaft zusammenbringt. Barrieren für Investitionen sollen abgebaut und Innovationsprozesse angestoßen werden. Als Basis dafür wird eine umfassende Wissensdatenbank dienen, die es in dieser Form spezialisiert auf globale Gesundheit bisher noch nicht gibt. „Diese neue Datenbank soll es einfach machen, im Hinblick auf Kategorien wie Region, Sektor oder Partnerschaftstyp gefiltert, nach schon durchgeführten Projekten oder aktuellen Ausschreibungen zu suchen. Hat schon jemand ein ähnliches Projekt durchgeführt? Was wurde dabei für die Zukunft gelernt? Auf PPPHealth4All werden sich schnell zugänglich Antworten auf diese Fragen finden. Langfristig soll dadurch ein Ökosystem entstehen, in dem verschiedene Arten von Werten zirkulieren: natürlich Investitionen und Dienstleistungen, aber auch Wissen und geteilte Standards der Nachhaltigkeit.

 

Ein Aspekt, der zu häufig vernachlässigt wird, ist die Konsultation nicht nur aller an einem Prozess Beteiligten, sondern auch der Betroffenen. Die PPPHealth4All Plattform widmet dieser Funktion besondere Aufmerksamkeit. Dabei geht das Team technologisch einen innovativen Weg: Blockchain Technologie wird  für Konsultationen von Interessengruppen eingesetzt, um die Daten der Befragten zu schützen und die Ergebnisse der Konsultationen unveränderlich und transparent für alle Beteiligten zugänglich zu machen. Die dezentrale Natur der Blockchains macht sie nicht nur unveränderbar in Bezug auf die in ihnen gespeicherten Daten, sondern bringt auch Vorteile in Bezug auf die Datensicherheit. Keine Partei kann die „Geschichte“ der Datenbank ändern, ohne dass das gesamte Netzwerk zu einem Konsens darüber kommt.. Später soll die Funktionalität der PPPHealth4All Blockchain es den Akteuren zudem ermöglichen, direkt auf der Plattform Zahlungen zwischen den Mitgliedern des PPPHealth4All Ökosystems abzuwickeln. Außerdem werden Transaktionen über sogenannte „Smart Contracts“ abgewickelt werden können. Blockchain Entwickler bezeichnen so Protokolle, in denen einem Vertrag ähnliche Bedingungen einprogrammiert sind. Nach Erfüllung der Bedingungen führt das Protokoll eine Transaktion automatisch und ohne Zutun dritter Parteien aus. Eine solche Bedingung kann zum Beispiel der Eingang einer Zahlung sein, die die Übertragung eines Eigentumstitels oder Zertifikats an den Erbringer der Zahlung ausgelöst.

 

Was hält die Zukunft für PPPHealth4All bereit?

Die Plattform PPPHealth4All wurde im April 2020 im Internet gestartet. Thematisch konzentriert sich das Team derzeit auf internationale Fallstudien, wie öffentlich-private Partnerschaften zur Bekämpfung von COVID-19 in der Altenpflege. In diesem Bereich wurden im Zuge der Covid-19 Pandemie in vielen Ländern besondere Schwächen identifiziert. Am 10. Mai startete außerdem der Aufruf zur Teilnahme am ersten Pilotprojekt zur Konsultation von Interessengruppen. Öffentliche Akteure auf nationaler und internationaler Ebene sind dazu eingeladen, Gesundheitsprojekte einzureichen, für die Partner aus dem Privatsektor gesucht werden. Methoden zur Identifikation der „Stakeholder“ sollen erprobt, Perspektiven der einzelnen Gruppen herausgearbeitet und Netzwerke visualisiert werden.

 

Für den Erfolg des Aufrufs bedarf es noch mehr Öffentlichkeit, wobei der Gewinn des „Neue Ideen für globale Gesundheit“ Ideenwettbewerbs bereits eine gute Basis geliefert hat: „Die Teilnahme und der Gewinn des Wettbewerbs haben es uns erlaubt, unser Projekt noch mehr zu strukturieren. Besonders die Einladung unserer Teammitglieder zum Social Lab in Berlin hat in dieser Hinsicht einiges bewirkt“, erklärt Natalia Korchakova-Heeb dazu. „Ich glaube, dass es uns der Workshop zusammen mit dem neuen Video ermöglicht hat, unseren nächsten Meilenstein zu erreichen: Wir wurden als einziges Projekt aus Deutschland als Top 20 Finalist der G20 InfraChallenge ausgewählt. Wir suchen derweil weiter nach Partnern, arbeiten am Aufbau einer Nutzerbasis und werben um Unterstützung aus der Politik. Nur so kann PPPHealth4All zu einem geteilten Ökosystem aller Interessengruppen werden, dass zur nachhaltigen Entwicklung der globalen Gesundheit beiträgt.“
 

Weitere Informationen über das Projekt und die Ziele finden Sie im untenstehenden Video des Teams.

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